Geld verdienen mit medizinischen Studien

Nebeneinkommen als Proband bei Parexel

Nur wenige Themen rufen so viel Skepsis und noch mehr Halbwissen und falsche Erwartungshaltungen hervor. Grund genug, medizinische Studien einmal neutral zu beleuchten. Der Sinn ist simpel und für jeden verständlich – sowohl die Verträglichkeit als auch die Wirksamkeit eines Stoffes soll an Probanden getestet werden.

Ich schreibe hier bewußt „Stoff“, da es nicht nur medizinische Studien zu Medikamenten gibt. Sondern auch zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminen, Pflastern, Zusatzstoffen a la Eisenpräparate und selbst alltägliche Dinge wie das Absetzen von Kaffee bei Kaffeetrinkern wird ihm Rahmen medizinischer Studien erforscht. Damit wird schnell klar, dass es große Unterschiede zwischen verschiedenen Studien gibt.

Eisentabletten birgen sicher nicht dasselbe Risiko, wie ein neues Tumor-Medikament, das bis dato an noch keinem Menschen getestet wurde. Auch sollte klar sein, dass es ohne medizinische Studien keine neuen Medikamente gäbe. Denn Verträglichkeit und Wirksamkeit müssen unter strengen Vorgaben nachgewiesen werden. Dabei werden fast immer sowohl gesunde, als auch erkrankte Probanden benötigt. Das Wort „Risiko“ ist bei medizinischen Studien widerum relativ zu sehen, da keiner irgendein zufälliges Zeug aus der Hexenküche erhält. Aber mal der Reihe nach…

Wie finde ich eine medizinische Studie und wieviel kann ich als Proband verdienen?

Ich selber bin auf das Thema vor wenigen Monaten durch einen Thread in einem Forum aufmerksam geworden. Dabei suchte der Ersteller nach Informationen zu medizinischen Studien. Da Hörensagen im Internet immer mit Vorsicht zu genießen ist, habe ich mich einfach selber dran gesetzt. Dank dem mächtigen Google lassen sich schnell passende Institute finden, die medizinische Studien durchführen.

In meinem Fall für Berlin sind das beispielsweise die Charité, die KFGN oder mit Parexel eine der größten und weltweit agierenden Firmen. Mit etwas Recherche lassen sich auch noch weitere Anbieter für medizinische Studien finden, vor allem kleinere und spezialisierte. Wenn mein Blog erfolgreicher wird und das Thema auf Interesse stößt, erstelle ich vielleicht ein deutschlandweites Anbieterverzeichnis. Auf den Webseiten findet man dann in der Regel aktuelle Studienangebote.

 

 

Gesucht werden sowohl gesunde Patienten, als auch welche mit bestimmten Krankheiten. Bei den Krankheiten sind Krebs, Rheuma, Bluthochdruck, Asthma, Alzheimer, Multiple Sklerose, Angststörungen und Schlaflosigkeit mit am häufigsten gefragt. Ein Studienangebot, für das ich mich konkret im Januar 2014 bei Parexel beworben habe, sieht so aus.

Angebot medizinische Studie Parexel

Wie man sieht ist der Zeitaufwand relativ gering und der Verdienst dafür ganz okay. Generell richtet sich die Bezahlung einer medizinischen Studie nach den folgenden Faktoren:

  • Dauer der medizinischen Studie
    Zumeist liegt die stationäre Aufenthaltsdauer bei 3-5 Tagen, kombiniert mit ambulanten Terminen. Es gibt allerdings auch rein ambulante Studien und auch welche,  die über mehrere Wochen bis hin zu Monaten gehen. Ich habe lustige Geschichten gehört über Rentner, die an langen Studien von beispielsweise 2 Monaten teilnehmen und danach mit dem Geld für 3-6 Monate nach Thailand jetten und dort leben. Danach geht’s zurück und das Spiel beginnt von vorne… könnte ich mir für meinen Lebensabend auch vorstellen.
  • Risiko bezüglich Nebenwirkungen
    Wie schon eingangs erwähnt ist Studie nicht gleich Studie. In „meiner“ ging es um ein Medikament, das tatsächlich schon seit Jahrzehnten auf dem Markt ist und kaum Nebenwirkungen aufweist. Mehr dazu aber später.
  • Verfügbarkeit von Probanden
    Wie so oft regelt die Nachfrage das Angebot. Gesunde Probanden gibt es bildlich gesprochen wie Sand am Meer, bei Krankheiten wie COPD oder speziellen Tumorformen kann es schon schwieriger werden.

Die Verdienstmöglichkeit bei medizinischen Studien schwankt ergo sehr stark je nachdem was gesucht wird. Für den Test eines neuen Mundwasser gibt es vielleicht 100 Euro, bei stationären Studien oder mehreren ambulanten Terminen kommen mittlere dreistellige bis vierstellige Beträge zusammen. Das höchste, was ich bisher gesehen habe, waren knapp 3000 Euro für 4 x 5 Nächte + ambulante Termine. Der Durchschnitt bei Medikamentenstudien sollte so bei 1200-1800 Euro liegen.

 

Wenn euch dieser Artikel hilft...

[dropcap]Ü[/dropcap]brigens: Parexel hat ein „Probanden werben Probanden“ Programm. Falls euch der Artikel hilft und ihr euch dort zumindest für eine Studie bewerben möchtet, könnt ihr euch gerne per Kontaktformular an mich wenden. Es gibt 50 Euro, die wir gerne angemessenen aufteilen können 🙂

An dieser Stelle möchte ich dennoch erwähnen, dass ich hier nicht Werbung für das Unternehmen machen möchte, sondern einfach über meine Erfahrungen berichten. Es muss jeder selber wissen, ob er an einer medizinischen Studie teilnehmen möchte, oder nicht. Aber im Blog geht es halt um das Thema Geld verdienen und wenn ich hier bestenfalls einen Mehrwert biete, finde ich das fair. Affiliate Programme gibt es nämlich scheinbar nicht, ergo habe ich andernfalls nichts vom weitergeleiteten Traffic.

 

Und welche Voraussetzungen müssen für die Teilnahme an einer medizinischen Studie erfüllt werden?

Grundsätzlich wird zumindest bei Medikamentenstudien (mit den anderen kenne ich mich bis dato weniger aus) zwischen gesunden und erkrankten Probanden unterschieden. Letztere müssen logischerweise die Anforderung hinsichtlich des Studienziels erfüllen. Wer also an einer Rheuma-Studie teilnehmen möchte, sollte eine diagnostizierte oder diagnostizierbare Rheuma-Erkrankung aufweisen. Für gesunde Probanden gilt zumeist:

  • Mindestens 18 Jahre alt
  • Keine (regelmäßige) Einnahme von Medikamenten
  • Aktuell wirklich gesund, ergo keine Grippe, offene Wunden, irgendwelche Infektionen oder Pilze o.ä.
  • Zumeist Nichtraucher (seit mind. 3 Monaten), manchmal leichter Raucher
  • Komplett drogenfrei
  • Keine Blutspende oder Operation in den letzten 2-3 Monaten
  • Normaler BMI
  • Kein Bluthochdruck (die Grenze liegt bei 140:90)
  • Unauffälliges EKG
  • Keine einschränkenden Allergien (bei mir sind Tierhaare, Gräser und leichter Heuschnupfen beispielsweise okay)

Je nach Studie können noch andere Einschränkungen gelten. Das sollte es aber im großen und ganzen sein.

 

Wie sicher sind medizinische Studien?

Symbol KrankenhausHier sind wir quasi wieder beim wichtigsten Thema. Als ich erwähnte, dass ich an einer medizinischen Studie teilnehmen möchte, waren die Reaktionen sowohl im Internet als auch bei Freunden und Bekannten überwiegend negativ. Die meisten assozieren wohl damit, dass man in einem Labor eingeschlossen ist und total krasses Zeug bekommt.

Zugegeben, auch meine Haltung war anfangs eher negativ bis sehr skeptisch. Inzwischen stehe ich dem Thema sehr offen gegenüber, würde aber dennoch keineswegs an jeder Studie teilnehmen.

Jeder muss für sich selber abwägen, ob er an einer bestimmten medizinischen Studie teilnehmen möchte oder nicht. Für mich sind sehr lange stationäre Aufenthalte beispielsweise ein No-go. Sowas wie 2 mal 4-5 Tage stationär mag noch gehen, aber mehr ist einfach nicht mein Ding. Während der Aufenthalte darf man in der Regel das Gebäude nicht verlassen.

Es gibt Menschen, denen macht das wenig bis gar nichts aus, aber mir wird dann trotz Laptop, Büchern und TV doch irgendwann sehr langweilig. Auch sind zu erwartenede Nebenwirkungen eine sehr individuelle Geschichte. Kopfweh, Herzrasen und co sind mir recht egal. Aber es gibt bestimmt auch medizinische Studien, wo es weit darüber hinausgeht.

Wichtig zu wissen ist: Man kriegt nicht irgendein Zeug verabreicht. In Deutschland muss eine Ethikkommission jede medizinische Studie authorisieren. Insbesondere bei gesunden Probanden darf keine bleibende Schädigung zu erwarten sein. Und auch sonst muss der Nutzen der medizinischen Studie die Risiken stark überwiegen. Jedes Medikament wird vor der Darreichung an Menschen in Tierversuchen erprobt. Danach gibt es die folgenden vier Phasen:

Phase 1Phase 2Phase 3Phase 4
Erste Erprobung an gesunden und zumeist männlichen Probanden. Insbesondere die Verträglichkeit wird getestet. Bedarf: 10-15 Probanden.
Wirkung und Dosis an erkrankten Patienten. Es wird versucht, die bestmögliche Dosis für eine gute Wirksamkeit zu finden. Bedarf: 20-80 Probanden.
Signifikanter Wirkungsnachweis an gesunden und erkrankten Probanden. Diese Phase dauert relativ lange. Kurz  gesagt geht es darum, einen Kompromiß aus Wirkung (Dosierung) und Verträglichkeit zu finden. An gesunden Probanden wird beispielsweise die Wirkstoffkonzentration im Blut über einen bestimmten Zeitraum hinweg überprüft. Idealerweise folgt daraufhin die Zulassung. Bedarf: 200 – 10.000 Probanden.
Feststellung sehr seltenener Nebenwirkungen, die erst in großen Probandenkollektiven erkennbar sind. Werden häufig auch zu Marketingzwecken verwendet.

Wie man sich schon denken kann, ist die erste Phase auch die risikoreichste, da man als erster Mensch überhaupt das betreffende Medikament bekommt. Ich glaube nicht, dass ich an einer solchen Studie teilnehmen würde. Ausnahmen bilden höchstens solche medizinischen Studien, bei denen ein Generikum eines entsprechend bekannten Medikaments erprobt werden soll.

Auch leicht Veränderungen eines Botenstoffes erfordern eine neue 4-Phasige Studie. Manchmal, aber nicht immer, winkt für Phase 1 Studien das meiste Geld. In den anderen Phasen (insbesondere III und IV) gibt es schon viele Hinweise zu Nebenwirkungen. Alle bis dato bekannten Nebenwirkungen müssen dem Proband mitgeensteilt werden. Das liest sich in der Studienbeschreibung dann etwa so:

Das Medikament xyz wurde bisher an bis zu 42 Probanden getestet. In zwei Fällen kam es zu leichten Kopfschmerzen, die auf xyz zurückzuführen sind. Ein Proband berichtete über eine Schwellung am…

Langer Rede kurzer Sinn: Nach meiner bisherigen Erfahrung wird man in einem Infogespräch  sehr ausführlich über die Wirkungsweise und mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Wichtig zu wissen ist dabei auch, dass man jederzeit eine Studie abbrechen kann. Es ist also nicht so, dass man einen Vertrag unterschreibt und dann da durch muss. Egal ob nach dem Infogespräch oder schon während der Studie, ohne Angabe von Gründen kann jederzeit abgebrochen werden. Allerdings geht dann auch zumindest ein Teil des Geldes flöten…

Eine der ersten Sachen, die ich  zum Thema medizinische Studien gemacht habe, war nach den Risiken zu googlen. Tatsächlich habe ich nur einen schlimmen Fall gefunden, bei dem ein Proband in England in Lebensgefahr schwebte (Link zum Stern Artikel). Das war im Jahr 2006. Falls jemand noch was anderes findet, bitte melden.

Das verdeutlicht, dass medizinische Studien allgemein sehr sicher sind, aber natürlich immer ein Restrisiko bleibt. Bei einer Infoveranstaltung habe ich mich mit einigen Anwesenden unterhalten, die teilweise schon mehrere Studien gemacht haben. Allgemein war das Feedback durchaus positiv. Was mich persönlich bei skeptischen Mitmenschen etwas stört, ist dass mit zweierlei Maß und total verhältnislos gemessen wird.

In meinem Bekanntenkreis gibt es beispielsweise lustige Typen, die im Park oder einem Club illegale Substanzen kaufen und sich reinziehen, aber das Risiko einer medizinischen Studie als viel zu hoch bewerten. Weil da kann es ja auch Langzeitprobleme geben.

Meine Ansicht dazu

[dropcap]E[/dropcap]s ist ein Fakt, dass Unternehmen wie Parexel monatlich einige Hundert Probanden alleine in Berlin medikamentieren. Da es offenbar keine Verschwiegenheitsklauseln gibt, wären Komplikationen ein tolles Thema für die Presse. Ich habe in Thailand und zig anderen Ländern Streetfood gegessen und hatte tatsächlich einmal krassen Durchfall. Letzten Endes war mir das egal. Wenn ich durch eine Studie, bei der ich mit einem Aufwand von ein paar Tagen einen vierstelligen Betrag verdiene und dabei noch nebenher arbeiten (oder studieren) kann per Laptop und WLAN, diverse Nebenwirkungen bekomme, finde ich das vollkommen okay. Solange diese nicht wirklich permanent meine Gesundheit beeinträchtigen.

Ganz doof gesagt: Die Nebenwirkungen nach einem Party-Wochenende sind oftmals weitaus krasser als das, was einem in medizinischen Studien erwartet. Wer noch extrem skeptisch ist, kann sich ja mal die Packungsbeilage irgendeines Medikaments, das er oder sie nimmt oder genommen hat, anschauen. Selbst bei Grippostad oder frei verkäuflichen Schmerzmitteln gibt es Nebenwirkungen. Die Angaben dazu stammen eben aus medizinischen Studien.

Wie läuft eine medizinische Studie ab?

Ganz grob  läuft eine medizinische Studie wie folgt ab:

  1. Bewerbung beim entsprechenden Institut (Telefon oder E-Mail)
  2. Erste Kurzanamnese per Telefon. Sprich man wird zur Krankengeschichte und aktuellen Befindlichkeit befragt.
  3. Teilnahme am Infogespräch zur medizinischen Studie. Wird per Unterschrift bestätigt, Lichtbildausweis notwendig.
  4. Bei einer Voruntersuchung werden u.a. Blutwerte bestimmt, Puls / Blutdruck / EKG gemessen, auf unerlaubte Substanzen getestet und eine erweiterte Anamnese durchgeführt.
  5. Gibt es bei der Voruntersuchung nichts auszusetzen, wird man zur Studie eingeladen. Die Medikation erfolgt in der Regel am zweiten Tag nach einer stationären Aufnahme. Der erste Tag dient erneut zu Kontrolluntersuchungen und Ausschluß äußerer Faktoren. Sprich man erhält standardisierte Nahrung und kann / soll auch nicht heimlich irgendwelche Pillen nehmen oder Alkohol trinken.

Puh, das war nun viel Text. Habt ihr es wirklich bis hierhin geschafft? 🙂 Leider konnte ich für die oben genannte Studie nicht berücksichtigt werden. Allerdings habe ich im Februar 2014 ein alternatives Angebot bekommen. Mein Tagebuch als Proband einer medizinischen Studie findet ihr folgend.

Medizinische Studien

Medizinische Studien
7.075

Zeitaufwand

4/10

    Zeitliche Flexibilität

    5/10

      Erforderliche Vorkenntnisse

      10/10

        Maximaler Verdienst

        10/10

          Pros

          • Extrem guter Verdienst
          • Das ganze Jahr über möglich
          • Während der Studie hat man viel Zeit
          • Relativ geringes Risiko

          Cons

          • Zeitlich eher unflexibel
          • Es bleibt ein Restrisiko
          • Nicht überall möglich
          • Man muss mit der Situation umgehen können

          5 Antworten

          1. Super Bericht sagt:

            ein absolut super Bericht, vielen Dank für deine Mühe.

          2. Mandy p. sagt:

            Habe mich auch eben bei parexel beworben. Meine Frage: wie läuft die Bezahlung?? via Bankkonto oder cash oder wie ist das??

          3. K.M. sagt:

            Hallo Thomas,
            mich würde interessieren, ob man Fahrtkosten erstattet bekommt und ob man eine Krankschreibung für den Stationären Aufenthalt bekommt oder das Honorar eben dafür gedacht ist, solche Verdienstausfälle und Zusatzlosten zu decken.

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